Adam & Eva

Vulva-Doku bringt Licht ins Dunkel

Vulva

Der Raabler staunte nicht schlecht, als er neulich in der 3sat-Mediathek unter der Rubrik Wissenschaft eine Dokumentation mit dem Titel: “Vulva und Vagina – Neue Einblicke in die weibliche Lust” entdeckte. Nach 43 Minuten informativster Druckbetankung fragte sich der Raabler unwillkürlich, ob es sich tatsächlich um eine TV-Produktion aus dem Jahre 2020 handelt. Oder anders ausgedrückt: Wie kann es sein, dass es im 21. Jahrhundert immer noch derart große Wissenslücken zum Thema “Muschi” geben kann.

Nach dem intensiven TV-Studium besteht kein Zweifel, dass die Verunsicherung und das Nicht-Wissen alle betrifft: Wissenschaftler, Biologen, Ärzte, Paar-Therapeuten, Frauen. Und die Männer sowieso. Hört sich alles ziemlich schräg an. Wir fliegen zum Mond oder Mars, tauchen 14.000 Meter in die Tiefe, können die vierte Wurzel einer Zahl mit 18 Nullen im Handumdrehen berechnen. Wir können sogar Kekse mit mehr als fünf Zutaten backen.

Frauen in der Werbung

Vulva-Studie mit Aha-Effekt

Aber was sich zwischen den Beinen des ewig Weiblichen abspielt, ist nachwievor ein Mysterium mit vielen Fragezeichen. Sogar für die Frau von heute. Die weltweit größte Vulva-Studie fand in 2018 in Luzern statt. Dort wurde die Damenwelt u.a. gefragt, welche Imagination ihnen bei dem Begriff “Vulva” in den Sinn kommt. Es gab drei Antwortmöglichkeiten.

Antwort A: Vulkanische Aktivitäten in der Erdkruste
Antwort B: Merinowolle für Outdoor-Aktivitäten (“wool” für “Wa-nderer)
Antwort C: Weibliches Geschlechtsorgan

Weniger als 30% der Teilnehmerinnen entschieden sich für Antwort C. Immerhin! Oder besser ausgedrückt: Kaum zu glauben, aber wahr!

Ein besorgniserregendes Resultat. Feministinnen sowie Fachkräfte aus Wissenschaft und Medizin nahmen dies zum Anlass, die Vagina endgültig aus der Schamzone zu holen. Der TV-Beitrag zeigte um Aufklärung bemühte Amazonen beim Backen von Vulva-Keksen und Klitoris-Törtchen. Kein Scherz! Abnehmer für die essbaren Köstlichkeiten sind nicht nur Privatpersonen und Selbsthilfegruppen, sondern auch das Anatomische Institut in Basel. Wieder kein Scherz!

Ehepaar spricht über Probleme

Keine Vulva gleicht der anderen

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter (ein internationales Team angesehener Vulvanologen und Höhlenforscher) in Basel waren sich in diesem Zusammenhang auch nicht zu schade, die Vulven von 657 Frauen im Alter von 15 bis 84 Jahren zu vermessen. Warum 657 und nicht 756 bleibt deren Geheimnis. Dabei wurden in Bezug auf Maße und Aussehen erhebliche Variationen und Asymmetrien festgestellt. Völlig normal, sagen die Fachleute. Bei der Vulva ist es wie mit dem menschlichen Anlitz: kein Gesicht gleicht dem anderen.

Blöd nur, dass die Abbildung einer Vulva in Pornos und Aufklärungsvideos komplett an der Realität vorbeigeht. Arme Frauen, die sich dem Diktat einiger weniger Darsteller und Produzenten unterwerfen und sich tatsächlich zu einer Vulva-OP entschließen. Nicht aus medizinischen, sondern rein optischen Gründen. So konnte sich eine weltweite Vulva-Chirugie mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten entwickeln. Der Raabler kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Männer wissen (nicht) was Frauen wünschen

Immer mehr Ärzte/Ärztinnen unterstützen ihre völlig verunsicherten Patientinnen in dem Bemühen, endlich ein positives Bild vom eigenen Körper zu entwickeln. Es ist kein Geheimnis, dass die Mehrzahl der Frauen ihre Vulva kaum anschauen mag. Sie können sich nicht vorstellen, dass das jemand schön findet. Zum Ausgleich ist keine Frau mit ihren Brüsten zufrieden. Wichtigste Zutaten für die klassische Nörgelfalle. Fehlt nur noch das Dauer-Gejammere über das fehlende Idealgewicht. Dabei, so die TV-Experten, ist Selbstliebe und das Wissen über den eigenen Körper überaus wichtig für die eigene Sexualität.

Dr. Raabler Nörgelstudio

Nächster Fakt aus der Vulva-Doku: Auch die Klitoris hat eine Eichel und eine Vorhaut. Und zusätzlich sogar noch zwei Schenkel, die die Scheide umarmen. Diese sind zu beiden Seiten jeweils 11 cm lang. Länger als die durchschnittliche Größe eines Penis. So, nehmt das, Männer! Habt ihr nicht gewusst, stimmt’s? Tröstet euch. Hat bis vor wenigen Jahren auch in der Wissenschaft niemand gewusst. 3-D-Modelle von Klitoris und Vulva gibt es erst seit 2017. Bis dahin galten die Schaubilder eines deutschen Anatomikers als das Nonplusultra der Sexual-Aufklärung.

Allerdings aus dem Jahre 1844! Im ausgehenden 19. Jahrhundert (dem segensreichen wilhelminisch/viktorianischen Zeitalter) verschwanden die detaillierten Darstellungen zum Glück wieder dahin wo sie hingehörten: in verstaubte Schubladen auf dem Dachboden. Daher stammt auch der berühmte Spruch: “Unter jedem Dach ein Ach”. Die damalige Gesellschaft tabuisierte weibliche Genitalien. Mit Sex hätte die Frau nichts am Hut. Sie sei nur hinter dem Herd glücklich. Na, Bravo! Endlich traut sich mal jemand, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit auszusprechen.

Die große Verarsche im Internet

Heute werden Frauen im Internet bestärkt, ihr Sexualität auszuleben. Es gibt z.B. Video-Tutorials zum Entdecken des G-Punkts. Andererseits gibt’s im Netz auch den Schund aus Hollywood. Im Film kommen die Frauen immer. Und schon wieder große Unsicherheit außerhalb der Filmindustrie. 80 Prozent der Frauen kommen nicht vaginal. Das ist kein Geheimnis mehr. Der Weg zum Glück führt fast immer über die Klitoris. Frauen müssen sich nur mehr trauen, ihre Wünsche zu äußern.

Orgasmus

Zum Glück haben nicht alle Sigmund Freud gelesen. Der soll angeblich behauptet haben, das die Frau nur dann reif sei, wenn sie vaginal zum Orgasmus kommt. Wer zusätzlich das Spiel mit und an der Klitoris braucht, sei in infantilen Phasen hängen geblieben. Im übrigen wollen Männer nicht, dass Frauen sich sexuell stimulieren. Das ist nun mal Männersache. Auch wenn die Brusthaartoupetträger mit den zärtlichen Hinkelsteinhändchen absolut keine Ahnung haben. Weibliche Lust müsse auf jeden Fall eingedämmt werden. Sie würden dadurch nur krank, unkontrollierbar und hysterisch in ihren Emotionen. Wieder mal zu 100 Prozent männliches Expertenwissen!

Wie blöd können Menschen sein?

Aus diesem Grund war es nur folgerichtig, dass Klitoriseichel-Beschneidungen bis ins 20.Jahrhundert hinein auch in Europa und Nordamerika nicht ungewöhnlich waren. Heute immer noch in Afrika, Asien und Arabien an der Tagesordnung. Kein Zweifel, die Menschheit befindet sich in einem steten Wandel. Die Geschlechterunterschiede verschwimmen immer mehr. Und morgen, liebe Menschen-Kinder, erzählen wir euch ein anderes Märchen.

frauen und orgasmus

200 Millionen Frauen sind als Opfer von Genitalverstümmelungen weltweit betroffen. Krankenkassen übernehmen mittlerweile die Kosten zur Wiederherstellung des Lustorgans durch aufwändige plastische Chirugie. Ein Eingriff, der bis heute von nur wenigen Spezialisten durchgeführt werden kann. Man kann sich (nicht) vorstellen, wie lange es theoretisch brauchen würde, bis alle Genitalverstümmelungen korrigiert wären. Nämlich nie, denn verstümmelt wird ja immer weiter…

In den ganzen Jahrzehnten nix gelernt…

Noch ein paar Fakten aus der Dokumentation: Hetero-Männer kommen fast immer zum Orgasmus. Hetero-Frauen leider nicht immer. Das Verhältnis beträgt 95 zu 65 Prozent. Homosexuelle Frauen erreichen dagegen häufiger den Gipfel, weil sie seltener mit dem Aussehen ihres Geschlechts hadern. Generell setzen sich zuviele Frauen permanent selbst unter Druck. Wie oft sollte man kommen? Welche Praktiken gilt es auszuprobieren? Tja, liebe Frauen, so ist das wenn man zu geizig für ein “Brigittigitt-Abo” ist. Dort steht alles schwarz auf weiß geschrieben.

frauenzeitschriften

Hoher Selbstoptimierungsdruck und unrealistische Erwartungshaltungen führen zu Verkrampfungen. Damit kennen sich vor allem junge Frauen aus. Ist mein Geschlecht normal? Ist meine Lust normal? Muss ich mir Sorgen machen? Aufklärung durch Pornos mit gepimpten Brüsten und Vulven hilft da nicht weiter, wird aber immer häufiger konsumiert. Das ist der wahre Pussyterror! Mehr Zeit mit sich selber verbringen, ist schon mal ein guter Anfang zum Abbau von Verklemptheit und Verkrampfungen.

Raabler-Fazit:
Irgendwie kommen Männlein wie Weiblein in Sachen Liebe, Sex und Aufklärung nicht so recht aus dem Hafer. Ein ewiges offenes wie unterschwelliges Konfliktpotential im Zusammenleben der Geschlechter. Als wenn’s nicht schon genug andere Probleme geben würde. Trotz Tabulosigkeit, Frivolitäten, Freizügigkeiten und jede Menge Offenherzigkeit in den asozialen Medien. Offenbar soll eine Überbetonung des Sexuellen nur die naheliegendsten “Baustellen” übertünchen. Die Frage ist: Warum? Wer könnte ein Interesse daran haben?

Vermutlich steckt mal wieder Bill Gates dahinter…

“Abgesehen von den Geschlechtsorganen, den sekundären Geschlechtsmerkmalen und den Eigenheiten des Orgasmus gibt es keine wirklichen Unterschiede zwischen Mann und Frau.”
(Kate Millett, amerikanische Schriftstellerin u. Feministin, 1934-2017)

Raabler-Blogpost:
Frauen kommen schnell

Raabler-Web-Tipp:
Viva la Vulva

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