Gesellschaft

Was sagt die Corona-Glaskugel?

Corona-Glaskugel

Sie wird kommen, die Nach-Corona-Zeit. Eine neue Phase des befreiten Aufatmens nach all den Entbehrungen, die uns Wissenschaftler wie Politiker über Jahre zugemutet haben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) macht Hoffnung, indem es erste Lockerungen bereits ab 2025 in Aussicht stellt. Endlich Licht am Ende des Tunnels. Spätestens danach werden wir über Quarantäne, Mundschmutz und eine talkshow-verseuchte Medienlandschaft nur noch schmunzeln. Um die Zeit bis dahin sinnvoll zu verkürzen, verabredete sich der Raabler mit Frau Prof. Dr. Schnippkowiak vom gleichnamigen Zukunftsforschungsinstitut in Coronahausen zum Skype-Interview. Welche Trends lassen sich beim vernebelten Blick in die Corona-Glaskugel ablesen? Hier das Interview in voller Länge:

Raabler: “Guten Tag, Frau Dr. Schippkowiak! Schön, dass Sie sich die Zeit für die Leserinnen und Leser des Raabler-Blogs genommen haben.”
Prof. Dr. Schnippkowiak: “Sehr gerne, Herr Raabler. “
Raabler: Kommen wir gleich zur wichtigsten Frage. Teilen Sie die Ansicht Ihrer Kolleginnen und Kollegen vom RKI, die bereits in 2025 ein Ende der Panikdemie vorhersagen?”
Dr. Schnipp (abgek.): “Nun, das klingt aktuell durchaus optimistisch.
Raabler: “Inwiefern?”
Dr. Schnipp: “Mein Blick in die Corona-Glaskugel sagt mir, dass noch zwei weitere Jahre ins Land ziehen werden, bis auch der letzte Honk im Lande kapiert hat, wie Händewaschen funktioniert.”
Raabler: “Aha, Sie denken also, dass die Bundesbürger von der Bildung her…”
Dr. Schnipp: “…genau, einfach zu dämlich sind, um den Ernst der Lage zu begreifen.”
Raabler: “Wie hoch schätzen Sie den Anteil dieser renitenten Hygiene-Verweigerer?”
Dr. Schnipp: “Der Anteil muss gar nicht so hoch sein, um sämtliche Bemühungen der Vernünftigen zu konterkarieren.”
Raabler: “Eine Zahl, bitte?”
Dr. Schnipp: “Sagen wir mal roundabout 15 Prozent.”
Raabler: “Das ist nicht wenig.”
Dr. Schnipp: “Eine Gesellschaft wie die unsere muss das aushalten können. Schließlich tragen Politiker aller Parteien eine nicht unerhebliche Mitschuld am Entstehen prekärer Lebens- und Arbeitsverhältnisse in einem der reichsten Länder der Welt. Das ewige Schielen auf die Mitte macht blind für das, was sich an den Rändern abspielt.”
Raabler: “Huhn oder Ei?”
Dr. Schnipp:
“Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen.”
Raabler: “Na?”

Top-News

Karl Lagerfeld hatte nicht ganz Unrecht

Dr. Schnipp: “Was war zuerst da? Die Blindheit, Arroganz und Ignoranz einer politischen Kaste gegenüber gesellschaftlichen Fehlentwicklungen oder die Blödheit einer, salopp formuliert, Jogginghosen-Unterschicht in den Problemvierteln?”
Raabler: “Und?”
Dr. Schnipp: “Wenn Sie mich fragen…”
Raabler: “Ich frage Sie.”
Dr. Schnipp: “Lagerfeld hatte nicht ganz unrecht (grinst). Also, gut. Idioten hat’s immer schon gegeben. Zu allen Zeiten. Nur wenn man das Wort Bildung stets nur bei laufender Kamera vor sich hin nuschelt, es aber nie so recht mit Leben erfüllen kann oder will, muss man mit den Konsequenzen leben.”
Raabler: “Und? Können wir damit leben?”
Dr. Schnipp:
“Da schlagen wir wieder den Bogen zur Corona-Krise.”
Raabler: “Entwarnung statt in 2025 dann eben in 2027?”
Dr. Schnipp:
“Zum Beispiel.”
Raabler: “Das ist nicht Ihr Ernst, oder?”
Dr. Schnipp:
“Mein voller Ernst, Raablerchen…Verzeihung…Herr Raabler.”
Raabler: “Ist schon ok.”
Dr. Schnipp:
“Die Frage, die sich stellt, ist doch die: Wie kriegen wir diese abgehängte Klientel so an die Corona-Kandarre gebunden, dass es doch noch was wird mit 2025?”
Raabler: “Jetzt wird’s spannend. Lassen Sie mich raten: das bedingungslose Grundeinkommen?”
Dr. Schnipp:
“Träumen Sie weiter, Herr Raabler. Guter Ansatz, aber aktuell leider nicht so zeitnah umsetzbar, als dass es uns schnell genug in der Virus-Krise helfen könnte. Wir kennen doch unsere ideologisch verbohrten Pappenheimer in Berlin.”

Tiny

Was macht Mutti in der Corona-Glaskugel?

Raabler: “Aber, es wird doch kommen, oder?”
Dr. Schnipp:
“Das Grundeinkommen?”
Raabler: “Ja?”
Dr. Schnipp:
“Natürlich, da führt überhaupt kein Weg dran vorbei.”
Raabler: “Wann?”
Dr. Schnipp:
“Wenn Mutti abgedankt hat, Merz nicht den CDU-Parteivorsitz übernimmt und mindestens ein skandinavisches Land schon mal mit gutem Beispiel vorgeprescht ist.”
Raabler: “So sind sie, die mutigen Deutschen.”
Dr. Schnipp:
“Sie sagen es.”
Raabler: “Gut, es hilft momentan nicht. Was schlagen Sie also vor?”
Dr. Schnipp:
“Ich sehe Konsumgutscheine in meiner Corona-Glaskugel.”
Raabler: “Bedingungslos?” (grinst)
Dr. Schnipp:
“Bedingungslos. Oder sagen wir mal…eine klitzekleine Bedingung wäre dabei.” (grinst)
Raabler: “Die Unterschrift auf dem Scheck von Markus Söder?”
Dr. Schnipp:
“Sie Scherzbold! Nee, mit Söder würde zu lange dauern. Das muss Mutti herself noch erledigen, sonst wird der Zeitrahmen endgültig gesprengt.”
Raabler: “Als grandiose Abschiedsgeste und Beleg ihrer unendlichen Empathie fürs gemeine Volk…äh…ihr Volk.”
Dr. Schnipp:
“Sie sind ein Zyniker.” (grinst)
Raabler: “Klar, sonst gäb’s diesen Blog ja nicht.” (grinst)
Dr. Schnipp:
“Ja, zumindest so ähnlich könnte es laufen.”
Raabler: “Konsumgutscheine also…in welcher Höhe?”
Dr. Schnipp:
“1.500 Euro sollten es schon sein.”
Raabler: “Das ist weit mehr als man zu diesem Thema bisher zu hören bekam.”
Dr. Schnipp:
“Muss aber sein.”
Raabler: “Weil?”

Börse unter Druck

Eine Bazooka-Ladung wird nicht reichen

Dr. Schnipp: “Erstens können wir nicht immer nur Unternehmern, Freiberuflern und ihren Mitarbeitern mit großzügigen Zuschüssen, Kreditlinien und Kurzarbeitergeld den Arsch retten. Und zweitens gibt es noch einen beträchtlichen Anteil in der Bevölkerung, der, ganz konservativ und nicht immer freiwillig, dafür stets für lau statt auf Lohnsteuerkarte, den Laden zuhause schmeißt.”
Raabler: “Und damit dem allein verdienenden Männchen den Rücken freihält?”
Dr. Schnipp:
“Zum Bleistift. Oft genug gibt’s noch nicht mal ein Männchen im Haus.”
Raabler: “Ich verstehe. Eine einmalige Aktion.”
Dr. Schnipp:
“Abwarten.”
Raabler: “Warum?”
Dr. Schnipp:
“Einmal Bazooka aus der Hüfte wird nicht reichen.”
Raabler: “Sie meinen, unser Schwarze-Null-Buddha wird noch mal nachlegen müssen?”
Dr. Schnipp:
“Das steht zumindest zu befürchten.”
Raabler: “Eine zweite Hilfswelle?”
Dr. Schnipp:
“Und vielleicht sogar noch eine dritte.”
Raabler: “Alles noch in diesem Jahr?”
Dr. Schnipp:
“Das wird man sehen. Die dritte Geldschwemme eventuell erst im Frühjahr 2021.”
Raabler: “Also, gut, das hieße eben auch…”
Dr. Schnipp:
“…genau, zwei oder sogar drei Wellen von Konsumgutscheinen.”
Raabler: “Das hat’s noch nie gegeben.”
Dr. Schnipp:
“Es gibt immer ein erstes Mal.”
Raabler: “Wenn das die FDP wüsste.”
Dr. Schnipp:
“In diesem Fall dürfen wir Randgruppen durchaus mal ignorieren.” (grinst)
Raabler: “Und wie war das jetzt mit der klitzekleinen Bedingung?”

“Die Gesellschaft muss das aushalten!”

Dr. Schnipp: Richtig, was hätten wir’s vergessen. Die Bedingung lautet: Reisst euch endlich mal alle am Riemen für das Geld! Raus aus der Lethargie! Macht alle mit bei den Maßnahmen zur Virus-Bekämpfung! Nölt nicht nur blöde rum, sondern habt das verdammte Ziel vor Augen, noch vor 2025 Covid-19 auszutrocknen.”
Raabler: “Wow, sehr plakativ beschrieben. Und das aus dem Munde einer…”
Dr. Schnipp:
“…Professorin. Schon gut, Herr Raabler, aber manchmal geht mein Temperament mit mir durch.”
Raabler: “Nein, nein, das ist völlig in Ordnung und in Anbetracht der Notlage absolut angemessen. Man muss auch mal die Sprache der Str…na, Sie wissen schon.”
Dr. Schnipp:
“Ja, ich weiß.”
Raabler: “Konsumgutscheine für alle? Also auch für Reiche?”
Dr. Schnipp:
“Für alle. Wie beim Grundeinkommen.”
Raabler: “Das muss eine Gesellschaft aushalten können.”
Dr. Schnipp:
“Das muss eine Gesellschaft aushalten können.”
Raabler: “Wird das denn ausreichen?”
Dr. Schnipp:
“Versuch macht klug. Wir müssen es durchziehen. Des Volkes Geduld und Nerven testen grad ihre Grenzen. Kurz: Die viel beschworene Konsensbereitschaft steht auf dem Spiel.”
Raabler: “Verstehe, ohne die wird es nicht gehen.”
Dr. Schnipp:
“Richtig.”

Milliardäre

Corona-Glaskugel at work

Raabler: “Werfen wir nun einmal den Blick auf die Zeit nach der Virus-Pandemie.”
Dr. Schnipp:
“Sehr gerne.”
Raabler: “Wie geht es mit der Menschheit weiter? Was sagt Ihre Corona-Glaskugel?”
Dr. Schnipp: “Meine Corona-Glaskugel sendet mir keine eindeutigen Signale. Sie versorgt mich stattdessen mit möglichen Szenarien. Vier Szenarien.”
Raabler: “Ist eben nur eine Kugel.”
Dr. Schnipp:
“Sie sagen es.”
Raabler: “Wie sieht Szenario 1 aus?”
Dr. Schnipp:
Szenario 1 wirkt am bedrohlichsten. Die Einschränkungen bleiben bestehen bzw. werden weiter modifiziert. Jedoch keinesfalls mehr im Detail wie mitten in der Corona-Krise kommuniziert.”
Raabler: “Weil die Deutschen immer so hübsch alle Maßnahmen abgenickt haben?”
Dr. Schnipp:
“Genau, bis auf unsere bereits erwähnten 15 Prozent Spacken, die für niemanden mehr zu erreichen sind.”
Raabler: “Sie meinen die komlette FDP-Wählerschft und Teile der AfD?”
Dr. Schnipp:
“Herr Raabler, Sie sind…”
Raabler: “…ein Zyniker, ich weiß.”
Dr. Schnipp:
“Aber ein charmanter…”
Raabler: “Ein charmanter, ich weiß, dass habe ich schon mal irgendwo gehört.”
Dr. Schnipp:
“Eine Patientin In Ihrem Dr. Raabler-Nörgelstudio.”
Raabler: “Richtig, genau, Sie haben recht!”
Dr. Schnipp:
“Ich verfolge Ihren Blog sehr genau, Herr Raabler.”
Raabler: “Ach, das freut mich aber.”
Dr. Schnipp:
“Zurück zum Szenario 1?”
Raabler: “Jawohl.”

Corona-Glaskugel
Nomen est omen: Außerirdische besuchten am Nachmittag des 08. Mai 2020 die Erde, weil sie wissen wollten, wie die Menschen mit der Pandemie umgehen. Während des Raabler-Interviews mit Zukunftsforscherin Prof. Dr. Schnippkowiak bildete sich eine riesige Corona-Kugel über Buxmoorholm. Schwer zu fotografieren, aber besser als nichts. Foto: Raabler

Es trifft ausnahmslos jeden von uns

Dr. Schnipp: “Die Corona-Glaskugel sagt selbst für die Zeit nach der Krise einen möglichen Trend zur totalen Isolation voraus.”
Raabler: “Nichts Neues also. Der Trend existiert schon seit Jahren.”
Dr. Schnipp:
“Ja, Herr Raabler, aber Sie machen sich keine Vorstellungen. Bisher betraf es nur die ca. 30 Millionen Internetfanatiker, E-Sportler, Porno-Süchtigen und die ganz-ganz-ganz-große-Liebe-Finder in unserem Lande.”
Raabler: “Und nun?”
Dr. Schnipp:
“Nun ist die gesamte Bevölkerung betroffen.”
Raabler: “Das ist ein ganze Menge.”
Dr. Schnipp:
“Das ist eine ganze Menge, jawohl.”
Raabler: “Was machen die denn den ganzen Tag? Also in diesem Szenario? Außer arbeiten, sofern es noch Arbeit gibt?”
Dr. Schnipp:
“Das, was bisher nur in den Alten- und Pflegeheimen zum gewohnten Bild gehörte.”
Raabler: “Rauchen, saufen, fernsehen, Nachbarn anmaulen, Verwandte, Freunde und Besucher anzicken, in die Hose pinkeln, telefonieren, üble Laune verbreiten, Kreuzworträtsel und Sudoku lösen, sich über das Essen beschweren, in Depressionen versinken…”
Dr. Schnipp:
“So ähnlich, ja.”
Raabler: “Das ist ja furchtbar.”
Dr. Schnipp:
“Sehen Sie es positiv, Herr Raabler.”
Raabler: “P-O-S-I-T-I-V???”
Dr. Schnipp:
“Nein, nicht corona-positiv.”
Raabler: “Dann bin ich ja beruhigt.”
Dr. Schnipp:
“Ich meine damit: Der Übergang z.B. aus der unfreiwilligen Erwerbslosigkeit, dem Vorruhestand oder dem regulären Rentnerdasein in die heimelige Atmosphäre der Alten-Aufbewahrungszentren wird zukünftig ohne große Anpassungsschwierigkeiten über die Bühne gehen.”

Ohne Zynismus wird’s nicht gehen

Raabler: “Jetzt sind Sie aber zynisch, Frau Dr. Schnippkowiak.”
Dr. Schnipp:
“Ohne Zynismus geht’s halt nicht.”
Raabler: “Da haben Sie recht.”
Dr. Schnipp:
“Sag’ ich doch.”
Raabler: “Wie geht es eigentlich Ihrem Ehegatten?”
Dr. Schnipp:
“Wie bitte?”
Raabler: “Ja, ich traf ihn neulich zufällig in der Arztpraxis. Wir haben den gleichen Doktor, wahrscheinlich.”
Dr. Schnipp:
“Ach, das ist ja ein Zufall. Danke der Nachfrage. Es geht ihm gut.”
Raabler: “Richten Sie ihm bitte schöne Grüße aus, unbekannterweise.”
Dr. Schnipp:
“Werde ich machen, danke.”
Raabler: “Noch was zum Szenario 1?”
Dr. Schnipp:
“Im groben war’s das. Gut, die über Jahrzehnte aufgebaute Kulturlandschaft wird nicht mehr wieder zu erkennen sein. Damit können die meisten von uns ganz gut leben. Erst das Fressen…Sie wissen schon. Und der ländliche Bereich erlebt seinen 25igsten Frühling. Wo die Kultur, das Nachtleben, die Verabredungen versiegen, versiegt auch die Motivation der Städter die komplett durchgeknallten Wohn- und Lebenshaltungskosten noch weiter zu ertragen.”
Raabler: “Das wird so sein, bestimmt. Und die Innenstädte bekommen ein völlig neues Anlitz.”
Dr. Schnipp:
“Und meine Corona-Glaskugel sagt voraus, dass es kein sehr attraktives Anlitz sein wird.”
Raabler: “Die armen Immobilien-Millionäre.”
Dr. Schnipp:
“Ja, da sagen Sie was….die arme VONOVIA. Sie hat’s immer nur gut gemeint.”

cornern

Die Corona-Glaskugel weiß noch mehr…

Raabler: “Kommen wir nun zu Szenario 2!”
Dr. Schnipp: “Genau! Im Szenario 2 wird der Horizont noch mal erweitert. Welt-Systemfragen stehen imVordergrund.”
Raabler: “Demokratien, Diktaturen, Kriege, Genozide, Religionen, Flüchtlingsströme, Klimakrise, Tier- und Artensterben…generell ökologische Aspekte?”
Dr. Schnipp:
“Richtig.”
Raabler: “Dumb, Pluto, Kim Jun Plums, Pli Jimpling, Bols-o-mario, Bim Salmiak, Don Bronsen und die restliche Corona der freiheitsliebenden Muster-Demokraten auf unserem Planeten.”
Dr. Schnipp:
“Womit wir wieder beim Stichwort Corona wären. Keine guten Aussichten, oder?”
Raabler: “Wird’s immer noch schlimmer?”
Dr. Schnipp:
“Yes! Jede Nation denkt erst mal nur noch an sich.
Raabler: “Noch mehr als schon vor der Krise?”
Dr. Schnipp:
“Sie machen sich keinen Bergiff.”
Raabler: “Oje…”
Dr. Schnipp:
“…mineh.”
Raabler: “Wie beim Brexit?”
Dr. Schnipp:
“Der Brexit war und ist eine Lachnummer dagegen.”
Raabler: “Und sonst so?”
Dr. Schnipp:
“Der Mittelstand bricht weitestgehend weg. Global Player haben endgültig freie Bahn. Schere war gestern. Die Ungleichgewichte in der weltweiten Vermögensverteilung lassen sich nur noch mit einem 180-Grad-Spagat visualisieren. Facebook und Amazon bieten jeweils und gleichzeitig auf den anderen. Lustig, oder? Hostile takeover. So oder so, es entsteht Famazook. Doch selbst dieses Imperium wird zu klein zum Überleben sein.”
Raabler: “Nicht sagen, ich weiß, Google kommt aus dem Hinterhalt und…”
Dr. Schnipp:
“Welches Google?

Google? Lang, lang ist’s her…

Raabler: “Wie bitte?”
Dr. Schnipp:
“Die gibt’s doch dann schon lang nicht mehr.”
Raabler: “Wie bitte?”
Dr. Schnipp:
“Schon längst aufgekauft.”
Raabler: “Waaas? Von wem denn?”
Dr. Schnipp:
“Von einem chinesischen Privatier aus der Provinz Shan-Dong. Der möchte natürlich inkognito bleiben. Nur um einmal die Relationen und Dimensionen in Sachen Vermögens- und Machtverteilung ins rechte Licht zu rücken.”
Raabler: (stöhnt!)
Dr. Schnipp:
BIG ist der neue Königsfick! Verzeihen Sie bitte meinen Jargon, Herr Raabler. Sie müssen wissen, ich war vor meiner Selbstständigkeit als Zukunftsforscherin 10 Jahre in leitender Prosition bei der First Boston Consultant Group tätig.”
Raabler: “Ach, interessant, diese Heuschrecken-Makleragentur?”
Dr. Schnipp:
“Wenn Sie das so sehen, ja”
Raabler: “Ist ja alles ganz furchtbar.”
Dr. Schnipp:
“Darum sollten wir nun schnell zu Szenario 3 schwenken, einverstanden?”
Raabler: “Auf jeden Fall! Was sagt die Corona-Glaskugel?”
Dr. Schnipp:
“Kurz gesagt: Immer noch jede Menge Big Deals und Bekloppte an den Schalthebeln der Macht. Aber den besinnungslosen wie willfährigen Konsumenten von einst gibt es nicht mehr.”
Raabler: “Dass heißt für die Global Player: Klein Maxe lässt sich nicht mehr so leicht verarschen und jeden Scheiß zum Kauf aufdrücken, weil er gelernt hat, sein Prioritätensytem neu zu justieren?”
Dr. Schnipp:
“Die Demutserfahrung aus der Corona-Pandemie, exakt!”
Raabler: “Unternehmen müssen sich auf Wachstumsdellen einstellen bzw. die bisherigen Wohlstandskoordinaten kommen auf den Prüfstand?”
Dr. Schnipp:
“Richtig. Die Menschen rücken näher zusammen, helfen sich gegenseitig, grenzen sich vom Hamsterrad in Beruf und der sonst üblichen Freizeit-Hektik ab. Das Urlaubsverhalten ändert sich radikal. Es muss nicht immer die Fernreise sein, die Kreuzfahrt.”

Traumziel Venedig

Eine Kreuzfahrt war nie lustig…

Raabler: “Apropos, Kreuzfahrt. Gibt’s die noch in dem gewohnten Stil?”
Dr. Schnipp:
“Nee, der junge Markt ist denen komplett weggebrochen. Es werden nur noch Schiffe für die unverbesserlichen Alten konzipiert, denen der Umwelt- und Klimaschutz schon immer am Arsch vorbei gegangen ist.”
Raabler: “Beruhigend zu wissen.”
Dr. Schnipp:
“By the way: Der Trend geht zu Seebestattungen.”
Raabler: “Häh?”
Dr. Schnipp: “Ja, weil die Kreuzfahrtbranche mit Überkapazitäten zu kämpfen hatte, wurden neue Geschäftsfelder entdeckt. Dazu gehören neuerdings u.a. Toten-Verklappungen auf hoher See. Kostengünstig für die Verstorbenen und der trauernden Verwandtschaft. Keine Grab-Pflege. Aus der Kabine, aus dem Sinn. Schlecht für die Kirchen. Schlecht für das verwöhnte Bestattungsgewerbe. Aber: Kleine Brötchen stillen auch den Hunger. Muss man eben mehr von essen. Alte First-Boston-Weisheit.”
Raabler: “Gute Zeiten, schlechte Zeiten.”
Dr. Schnipp:
Sagt Ihnen der Begriff der Lebensreform etwas?
Raabler: “Klar, Hermann Hesse, Jahrhundertwende. Rückzug ins Private, Bescheidenheit, Selbstreflexion, Haus, Hof und Garten, Selbstversorger, Rückbesinnung auf familiäre Werte, weg vom Luxus, zurück zur Natur etc..”
Dr. Schnipp:
“Sehen Sie, kommt alles wieder. Zu dieser Begriffswolke wird in diesem Szenario 3 auch das Homeoffice gehören – gab’s damals ja noch nicht.”
Raabler: “Interessant.”
Dr. Schnipp:
“Mit allen seinen mittlerweile ausgiebig gekosteten Vor- und Nachteilen.”
Raabler: “Die Digitalisierung macht nicht mehr auf den letzten Metern vor dem Haus halt.”
Dr. Schnipp:
“Worauf sich die TELEKOM verlassen kann.”
Raabler: “Ach, die gibt’s dann immer noch?”
Dr. Schnipp:
“Nee, nur mal als Beispiel aus früheren Zeiten. Die wurden ebenfalls geschluckt. Der Beamtenladen. War auch besser so.”
Raabler: “Von einer privaten Stiftung aus dem indischen Mumbai.”
Dr. Schnipp:
“Ach, der Raabler-Humor, einfach unvergleichlich!”
Raabler: “Danke!”

Homeoffice

Das Beste aus der Corona-Glaskugel zum Schluss

Dr. Schnipp: “Jetzt müssen Sie mich nach Szenario 4 fragen.”
Raabler: “Gut, dass Sie mich dran erinnern. Was sagt die gute alte Corona-Glaskugel?”
Dr. Schnipp:
“Im Grunde nur ein kleiner, aber sehr feiner Aufbau zum vorangegangen Szenario 3.”
Raabler: “Heißt?”
Dr. Schnipp:
“Die Gesellschaften haben keine Angst vor mehr vor Krisen. Überhaupt spielen menschliche Ängste nur noch eine untergeordnete Rolle. Selbstbewusstsein ist angesagt. Man hat ja eine Pandemie überstanden. Was soll an Wahnsinn noch kommen? Nichts, was nicht auch zu bewältigen wäre. Es geht in Richtung Resilienz. Nicht den Kopf in die Sanduhr stecken, sondern nach intelligenten Antworten suchen. Politische Parteien spielen keine Rolle mehr. Sie befinden sich in Auflösung. Es gibt stattdessen Expertenräte. Wie der Name schon sagt, entscheiden zukünftig Fachleute. Die besten des Landes. Oder im Zusammenspiel mit den besten Koryphäen in Europa und weltweit. Keine Fake-News mehr. Keine Verschwörungstheorien. Die Welt in einem Boot. Alles ist möglich. Ressourcen werden gebündelt. Nichts für den Profit, aber alles für den Menschen.”
Raabler: “AMEN!”
Dr. Schnipp:
“Ja, ich weiß, nur ein Szenario. Ich hab’s mir nicht ausgedacht. Meine Corona-Glaskugel gibt mir die Einblicke.”
Raabler: “Jetzt mal Lebertran bei die Walflucke: Was, glauben Sie, wird wirklich auf uns zukommen?”
Dr. Schnipp:
“Ganz ehrlich jetzt?”
Raabler: “Ganz ehrlich jetzt!”
Dr. Schnipp:
“Die Menschen haben nichts, aber auch gar nichts aus der Corona-Krise gelernt. Sie sehnen sich wie die dummen Lemminge zurück in die Zeiten, wo sie sich über jeden Scheiss – und zwar völlig zurecht – aufregen konnten. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Warren Buffett kann sein Fracksausen wieder einstellen und vom Drei-Meter-Brett in seine Goldmünzen springen. Chance vertan. Nein, eine Riesenchance vertan. Lieber wieder das zurück, was man kannte. Auch wenn’s erneut weh tut. Lieber das Bekannte, als das ungewisse Neue. Sie verstehen, was ich meine?”
Raabler: “Ich verstehe Sie sehr gut. Apropos gute, alte Zeit: FC Magenta ist gestern auf die Vertragsforderungen von Manuel Neuer eingegangen. 20 Millionen per anno für fünf Jahre.”
Dr. Schnipp:
“Yeah.”
Raabler: “Frau Dr. Schnippkowiak, ich freue mich, dass ich Sie und Ihre Corona-Glaskugel einmal persönlich kennen lernen durfte und bedanke mich für das Gespräch.”
Dr. Schnipp:
“Die Freude ist ganz meinerseits.”

Klimawandel

“Zukunftsforschung heißt die Kunst, sich zu kratzen, bevor es einen juckt.”
(Peter Sellers, britischer Komiker und Schauspieler, 1925-1980)

Raabler-Blogpost:
Deutschland wie im Rausch

Raabler-Web-Tipp:
Zurück in die Zukunft: Corona Edition

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.