Reise

“Zimmerservice, bitte!”

Zimmerservice

Liebe Blogleser, gebt fein acht, der Raabler hat euch wieder ein Märchen für Erwachsene mitgebracht! Heute geht es um das Unwichtigste überhaupt im Rahmen eines beruflichen oder privaten Hotelaufenthalts – den Zimmerservice. Mal ehrlich: Wer von uns legt besonderen Wert auf ein aufgeräumtes Zimmer, ein blitz-blankes Bad, eine gut sortierte Mini-Bar und ein wohlriechendes, angenehm temperiertes Raumklima beim Sich-auf’s-Bett-Fallenlassen nach einer anstrengenden Shoppingtour durch die angesagtesten Geschäfte einer Weltmetropole? Genau, so richtig doch wohl keiner, oder?

Schließlich lautet das Motto aller Sterne-Hotels weltweit: “Urlaub wie zuhause.” Und zuhause sieht’s in der Regel immer aus wie bei Hempels unterm Spannbetttuch. Verlottert, verwanzt, fleckig, speckig und dreckig. Egal in welcher Umgebung man vor sich hin lebt und wohnt. Selbst reich oder neureich sind kein Garant für Sauberkeit und Reinlichkeit. Falls du den Unterschied nicht kennst, frag’ Tante Tilly.

Außen hui – innen pfui!

Das Oberwichtigste im ganzen Spiel ist der neue SUV vor der Haustür im Neubauviertel. Der muss lacktechnisch derart vor sich hin glänzen, dass es keinem Arsch groß auffällt, wenn den Fenstern, Rollos, Gardinen und Vorhängen rund ums Eigenheim schon länger als 6 Monate kein Kärcher, Leifheit oder Hara mehr zu Leibe gerückt sind. Sauberkeitstugenden nach Großmutter-Art sind im Zeitalter der Dauerberieselung durch die lieb gewonnenen asozialen Medien die reinste Zeitverschwendung. Wir sind ja nicht blöd.

Raabler kotzt auf die Motorhaube eines SUV

Und wie’s innen drin im Haus aussieht – in den Kinderzimmern, in der Küche oder im Wohnzimmer – da legen wir vor Urlaubsantritt besser die unschuldig weißen Hussen des Schweigens drüber. Besser ist das. Insofern stellt der durchschnittliche Hotelgast keine außerordentlich hohen Ansprüche an eine gediegene Aufgeräumtheit im Schnäppchen-Doppelbettzimmer mit halbseitigen Blick auf die übel riechenden, notdürftig wie hastig in Müllsäcken verstauten Essensreste aus der Tagesproduktion der Hotelküche.

Zimmerservice im Sklavenmodus

Für den meist weiblichen Zimmerservice gibt es dennoch kein Entrinnen aus dem hygiene-philosophischen Korsett seines verantwortungsvollen Arbeitgebers. Die Zimmer müssen täglich und in Windeseile tipptopp gereinigt werden. Egal von wem sie gerade bewohnt sind. Influencer, Businesstypen, Urlauber oder Eheflüchtige. Egal, ob Single, Paare oder Familien. Jeder Übernachtungstypus hat seine ganz eigene Art, dem bedauernswerten Zimmerservice komplett den Tag zu versauen.

influencer in kopenhagen

Auf die Unterscheidung nach Herkunftsländern und/oder Religion der jeweiligen Gäste verzichtet der Raabler an dieser Stelle aus unerfindlichen Gründen. Ist im Preis mit drin. Für den Hotelier. Aber nicht für die Sklavinnen des Zimmerservice. Es werden Überstunden gebolzt, dass sich die Lendenwirbel verbiegen. Zu Hungerlöhnen, die noch nicht mal für ein eigenes 12-Quadratmeter-Wohnklo auf der Lieblingsinsel reichen. Meistens gibt sogar noch eine weibliche Vorgesetzte den Arbeitstakt auf der ächzenden Putzgaleere vor.

Immer hübsch am Limit

Ausgerechnet. Aber auch dahinter steckt eine Logik. Arbeitet alle immer schön am Limit. Denn wer sich ohne Burnout, Bandscheibenvorfall und (wichtig!) Stundenausfall in der Putz-Branche durchgekämpft hat, dem winkt eins Tages einer der begehrten Plätze an der Tonnenklopferfront. Endlich mal die anderen ficken, statt immer nur selbst gefickt zu werden. Es kann nur eine geben. Der Raabler entschuldigt sich für die üblen Kraftausdrücke bei denjenigen, die die Gepflogenheiten eines Bundeswehrdienstes nur noch aus verstaubten Erzählungen der Elterngeneration kennen.

Und da haben wir’s wieder: das Wörtchen Staub. Wenn’s doch nur der Staub wäre, den es zu bekämpfen gäbe. Aus unerfindlichen Gründen verzichtet der Raabler an dieser Stelle auf eine detaillierte Auflistung weiterer menschlicher (??) Hinterlassenschaften. Lass’ deiner Phantasie freien Lauf – sie wird ohnehin nicht ausreichen. Aus dem Staub machen ist für die Reinigungsfachkräfte in jedem Fall keine gute Option.

Reiseblogger

Der Zweck geißelt die Mittel

Es droht die Langzeitarbeitslosigkeit. Auch ohne Corona. Darum gibt’s statt berechtigter Gegenwehr nur ein resigniertes Abwinken beim Zimmerservice, wenn der am Hungertuch nagende Hotelier über seinen weiblichen Tonnenklopfer verlautbaren lässt, dass ab sofort pro Zimmer nur noch 4 Minuten und 55 Sekunden für die Hochdruckreinigung angesetzt werden. Es ist ja für den guten Zweck. Dem gut gefüllten Bankkonto des Arbeitgebers.

Die neue Regelung hat aber auch ein Gutes. Immer häufiger wird vom weiblichen Zimmerservice beklagt, dass vornehmlich männliche Hotelgäste wie zufällig, halbnackt aus der Dusche kommend, den professionellen Putzprozess genüsslich beobachten. Verringert sich die Aufenthaltsdauer pro Reinigungsvorgang im Hotelzimmer, minimiert sich tendenziell die Gefahr eines unkontrollierten sexuellen Übergriffs. Wenn das kein Trost ist.

Ehepaar im Streit

Kleiner Raabler-Tipp an alle Hotel-Touristen dieser Welt:
Wenn ihr schon nicht anders könnt, als fremden Menschen ungeniert innerhalb weniger Stunden oder Tage zu offenbaren, wie’s bei euch zuhause aussieht, dann öffnet wenigstens am Abreisetag eure Herzen und Geldbörsen. Bedenkt, ein Trinkgeld muss nicht immer nur laut klimpern, es darf gerne auch mal leise rascheln. Botschaft angekommen?

“Das einzige Mittel, das Leben zu ertragen, ist: es schön zu finden.”
(Rudolf Leonhard, deutscher Schriftsteller, 1889-1953)

Raabler-Blogpost:
Traumurlaub am Meer

Raabler-Web-Tipp:
Ein richtiger Hotelgast werden [Tutorial]

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