Gesellschaft

Zu doof für diese Welt!

Vorsicht: Hass kann doof machen.

Zitat Hagen Rether: “Was nützt es, wenn man schlau ist, wenn man doof ist?” Ein Bonmot mit Augenzwinkern aus berufenem Munde und eine willkommene humorige Erfrischung für das Resthirn eines jeden Einzelnen von uns. Unsere schöne Welt wird zunehmend schmutziger, hektischer und unberechenbarer. Wissenschaftlich untermauerte Antworten und Lösungswege auf die aktuellen Probleme und Krisen der Menschheit liegen zwar schon lange in unseren Händen. Doch obwohl die Zeit drängt, diskutieren wir gerne noch ein wenig hin und her. Das gibt uns ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Die größte Freiheit im Austausch von Sachargumenten beschert uns dabei zweifellos und komplett uneigennützig das Internet. In den endlosen Weiten schummrig ausgeleuchteter Datenautobahnen fühlt sich die dumpf-doofe Masse namens Mensch tierisch wohl. Um nicht zu sagen: sauwohl. Todesmutig werden Klarnamen verweigert. Tapfer alle digitalen Spurenelemente sorgsam verwischt. Putzigerweise kriegt das heutzutage jeder Schulabbrecher ohne Probleme hin. Der Raabler liebt Vorurteile. Du auch?

Alle Ohnmacht den Doofen!

Sind all dieser lästigen Vorarbeiten der Netz-Anonymisierung erfolgreich abgearbeitet, wird mit größtem Engagement und pausenlos aus allen Rohren gefeuert, was die Lunten hergeben. Unzählige “Diskussionsteilnehmer” mit beängstigendem Hintergrundwissen stehen sich testosterongesteuert gegenüber. Wie seinerzeit übermunitionierte Kriegsschiffe in voller Breitseite von Angesicht zu Angesicht. Auf Schlagdistanz. Im Netz aber eben nicht von Angesicht zu Angesicht. Und (für manche) leider auch nicht auf Schlagdistanz.

Jetzt bitte kein Facebook-Bashing. Gutmensch und Visionär Markus Salzhügel hatte lediglich die Weiterentwicklung von StudiVZ im Blick. Nicht mehr und nicht weniger. Kapiert das doch endlich mal! Und gäbe es Facebook nicht, so würden eben die Macher von Friendster heute an der neuen Weltwährung basteln. Denn darum geht es doch in Wahrheit den Programmierern in Übersee: Dollar, Yen und Euro abschaffen. Für eine gerechtere und sozial ausgewogenere Welt! Ohne Gier und Gewinnstreben! Altruismus in Reinkultur!

Schön doof: Unendliches Bot-Vertrauen

Man kann es sich nicht mehr anders erklären: Die Welt ist tatsächlich komplett durchgedreht. Ansonsten würde es derlei Ambitionen aus der bunten Social-Media-Welt nicht geben können. Nicht dass Politiker beim Raabler imagemäßig ganz weit oben stünden. Aber ein unangekündigter Cyber-Angriff mittels Krypto-Währungen auf Weltbank und EZB übersteigt dann doch jegliche Phantasie. Guck’ dir doch mal den irren Blick von besagtem Markus Salzhügel beim Verhör vor dem EU-Parlament an: Es grüßt die emotionslose Mensch-Maschine…

Facebook

…die offensichtlich auf die vermeintlichen IT-Experten unter den Politikern mit ihren peinlichen Fragen bis in die Jetzt-Zeit hinein eine hypnotisierende Kraft entfalten konnte. Bot lass’ nach. Und nun kommt’s: Die Bekloppten aus dem Silicon-Valley dürfen tatsächlich mit solch’ abstrusen Ideen um die Ecke kommen, obwohl ihnen niemand so recht über den Weg traut. Das kann nur funktionieren, wenn es dort “draußen” ebenfalls genug Bekloppte gibt. Und es gibt sie offenbar. Der Kreis schließt sich.

Bekloppte kann man in Kauf nehmen…

Schön, es gibt genug Bekloppte. Quer durch alle Prekariats-Abstufungen. Aber bilden sie auch die Mehrheit in unserer Gesellschaft ab? Nachstehende Infographik hält die Hoffnung auf ein gewisses Maß an Vernunft zum Glück aufrecht. Wie sonst kann es sein, dass der versammelte Social-Media-Rotz, namentlich Youtube, Twitter, Facebook und Instagram, in beeindruckender Weise die letzten Plätze im Vertrauens-Ranking der Bundesbürger einnimmt?

Infografik: Welchen Medien die Deutschen vertrauen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

…solange sie keine Mehrheiten stellen!

Es ist also offensichtlich so, dass relativ gesehen wenige Diskutanten in den Foren dieser abgedrehten digitalen Welt im 24/7-Modus einen Riesenbuhei inszenieren. Sie können das u.a. deshalb, weil sie im Vergleich zu der überwältigenden Anzahl der Normalos sehr genau wissen, wie man quasi für lau in Sekundenbruchteilen die faszinierend bunte Netzwelt mit Nachrichten, Bildern, Videos und Podcasts ihrer Wahl überschwemmt. Kontrolle? Fehlanzeige!

Aber auch in diesem Zusammenhang liefert der emsige Raabler sehr gerne ein Trostpflaster in Form einer weiteren Statista-Infographik. Das öffentlich-rechtliche Informationsangebot – sei es nun analog oder digital – zieht quer durch alle Altersstufen immer noch das größte Interesse auf sich. Wieder einmal eine Frage des Vertrauens. Gut so!

Vor diesem Hintergrund fragt sich der Raabler völlig zurecht, warum sich noch so viele Menschenkinder in den asozialen Medien aufhalten. Statt ihre Accounts konsequent zu löschen. Als kleines Statement an die empathischen Mensch-Maschinen in ihren mit Blattgold verzierten Kontrolltürmen, dass man sie verstanden und durchschaut hat. Das Leben ist zu kurz um wertvolle Zeit zu verplempern. Whatsapp dürfte doch wohl für die wichtigsten Satelliten-Kontakte reichen, oder etwa nicht?

Doof bleibt doof!

Exemplarisch für einen ausgewachsenen Kontrollverlust (im Norden sagt man Kuddelmuddel dazu) im Getriebe einer unbarmherzigen Medienmaschinerie steht derzeit ein prominenter Vertreter der deutschen Humor verarbeitenden Industrie. Unter dem Deckmantel intelligent aufbereiteter Satire (sein Markenzeichen) zog dieser einen Giftpfeil nach dem anderen aus seinem mit allerlei Boshaftigkeiten gefüllten Köcher. Gegen wen noch mal? Ach, ja, gegen eine 16jährige Klimaaktivistin aus Schweden. Ebenfalls sehr prominent.

Clickbait

Wie aus dem Nichts und somit absolut unvorhersehbar prasselte ein Internet-shitstorm nach dem anderen auf den Ahnungslosen ein. Man hätte Mitleid mit dem Mann bekommen können. Wüsste man nicht, um wen es sich handelt. Doch damit nicht genug. Aus seiner Seelennot heraus schlägt der ehemalige Lehrer nun auch noch der – wie wir ja mittlerweile wissen – mit mächtig Vertrauensvorschuss gesegneten Presselandschaft eins in die analoge Fresse.

“Was nützt es, wenn man schlau ist…”

Seine nachtragende und abschließende Bitte in diesem Scharmützel: Er wäre außerordentlich dankbar, wenn ihm die Protagonisten der stumpf und unreflektiert voneinander abschreibenden Printmedien zukünftig aus der Sonne und nicht mehr auf die Eier gingen. Klare Ansage. Blöd nur, dass der charmante Halbgott des gepflegten Zynismus im gleichen Atemzug über die ignoranten Mechanismen der Online-Welten herzieht als gäbe es kein Morgen. Ja, was bleibt denn da noch?

Der Raabler ist verzweifelt und würde dem wehrlosen “Mobbingopfer” so gerne seine Hilfe anbieten. Er verspürt nur grad so gar keine Lust dazu. Stattdessen bedient er sich lieber der unumstößlichen Weisheit zu Beginn seiner bahnbrechenden Ausführungen:

“Was nützt es, wenn man schlau ist, wenn man doof ist?”
(Hagen Rether, deutscher Kabarettist, *08.10.1969)

Raabler-Blogpost:
Anti-Idiotika für Menschenkinder

Raabler-Web-Tipp:
Logopädie für Internet-Opfer

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