Und sonst so?

Zuviele Piepen für die Mieten

Mieten immer teurer

Wir leben in der besten aller Welten: dank Globalisierung unvergleichlich hoher Wohlstand, Vollbeschäftigung auf Jahre hinaus, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Explosion bei Realeinkommen und Renten, vorbildliche Arbeitgeber mit Höchstmaß an Empathie für ihre wertvollen Mitarbeiter, historisch niedrige Krankenstände bei 100%iger Arbeitszufriedenheit, günstige Mieten und bezahlbarer Wohnraum, private Vermögensbildung auf Rekordniveau, Ökonomie und Ökologie im Einklang, weltweite politische Stabilität, eine kerngesunde und positive Gesellschaft ohne Ängste, Psychosen und Suchtproblemen. Der HSV auf Aufstiegskurs. Kurz: Friede, Freude, Freiheit, Freixenet! Gut, Eierkuchen ginge auch.

Wie, du kannst da nicht mitjubeln? Was ist los mit dir? Jetzt erzähl’ dem Raabler nicht, du hättest bisher nichts vom Kuchen abbekommen. Dann schraub’ deine Ansprüche einfach mal ein bisschen zurück. Zum Beispiel beim Mieten einer Wohnung. Den Preis-Wettlauf wirst du als treu arbeitender Angestellter im Hamsterrad sowieso niemals gewinnen können. Die Mieten haben sich allein in Hamburg in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich ca. 45% verteuert. Angenommen, dein Monatsbrutto betrug damals so um die 2.500 Euro. Da wirst du doch heute locker 1.100 Euro mehr für die gleiche Tätigkeit nach Hause tragen, oder etwa nicht?

Chefs lieben aufgeweckte Mitarbeiter

Nicht? Dann solltest du diese Diskrepanz möglichst bald am heimischen PC visualisieren und als einen willkommenen Gesprächsansatz für deine nächste Gehaltsverhandlung im bescheiden eingerichteten Büro deines sympathischen Chefs mit einfließen lassen. Was glaubst du wohl, wie der sich über die neue Erkenntnis freuen wird, dass er so aufgeweckte Mitarbeiter wie dich hat. Und wie er geradezu in Ekstase geraten wird, wenn du ihm von deinen Plänen erzählst, demnächst aus dem vermieften Speckgürtel heraus in die schönste Stadt der Welt zu ziehen. Damit du endlich wieder pünktlich zur Arbeit erscheinen kannst. Weil du dann ja nicht mehr auf den HVV-Irrsinn angewiesen bist, sondern stattdessen klimaneutral in die Pedale zu treten gedenkst.

Tiny

Aber, so erzählst du ihm, das hätte natürlich seinen erhöhten (Miet-)Preis und ob er nicht ein wenig Entgegenkommen in Sachen…äh. Nein, davon halte er überhaupt nichts, weil er für den Mieten-Wahnsinn ja schließlich nicht verantwortlich zu machen sei. Im übrigen fand er die wenigen HVV-Verspätungen in letzter Zeit durchaus noch akzeptabel und ob du dir die Sache mit dem Umzug…äh. Das verneinst du wiederum, weil dein alter Mietvertrag in Buxmoorholm bereits gekündigt und der neue für das überteuerte Wohnklo in einem recht angesagten Hamburger Stadtviertel bereits in trockenen Tüchern sei.

Dank explodierender Mieten: Privatiers auf dem Vormarsch

Wenn du ihm dann noch verklickerst, dass er (dein Chef) und der Eigentümer der neuen überteuerten Wohnung absolut identische Personen sind, raubst du ihm nicht nur den letzten Nerv. Er müsste dir z.B. erklären, dass er seinen mühsam im Laufe der Jahre aufgebauten Bestand von rund 30 Mietobjekten auf lukrativem Hamburger Stadtgebiet selbstverständlich schon lange nicht mehr alleine managen könne. Dafür hätte er schon beizeiten einen versierten und sehr gut bezahlten Verwalter engagiert. So könne es bei der Vielzahl von Mietinteressenten schon mal vorkommen, dass er kaum noch Vertragspartner namentlich, geschweige denn persönlich, kenne.

Nicht, dass es ihn nicht interessieren würde. Nur es interessiert ihn einfach nicht. Begreif’ das doch mal. Und so lange die Eingänge für die (Anm. der Raabler-Redaktion: überhöhten) Mieten pünktlich auf seinem Konto landen würden, so lange wären Namen und Personen Schall und Rauch für ihn. Und du mögest bitte auch bedenken, dass er in letzter Zeit verstärkt ins Grübeln gekommen sei, ob es sich im Angesichte der hübschen Entwicklungen auf dem Mietmarkt überhaupt noch lohnen würde, seine bisherige unternehmerische Tätigkeit fortzusetzen. Die Verantwortung für seine mittlerweile 12 Mitarbeiter sei immens hoch. Die Aufträge kämen nicht von alleine durch’s Fenster geflogen…

cornern

Ein Leben ausschließlich als Vermieter von Immobilien in bevorzugter Lage, so ganz ohne Personalverantwortung, quasi als Privatier, entspräche jetzt – mit Mitte 40 – am ehesten seinen Wunschvorstellungen. Aber er wolle sich jetzt nicht um Kopf und Kragen reden. Und du mögest das soeben Gesagte doch wieder rasch aus deinem RAM (interner Zwischenspeicher) entfernen. Und ganz am Ende seines ungeplanten Monologs wird er dich unschuldig fragen, was überhaupt noch mal der Anlass deines Gesprächersuchens war. Gruselig, oder?

“Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld.”
(Aristoteles Onassis, griechisch-argentinischer Reeder, 1906-1975)

Raabler-Blogpost:
Es ist zum “Cornern”!

Raabler-Web-Tipp:
Heute Show: Die Vonovia-Methode

Passend zum Thema noch ein kleiner visueller Nachschlag. Kaum zu glauben, aber eine Statistik ohne Deutschland. Berlin z.B. liegt mit 1.032 Euro noch knapp hinter Wien. Klare Botschaft an alle Vermieter: Da ist noch reichlich Spielraum nach oben! Feuer frei!

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